Bahntechnik, erläutert vom Betriebseisenbahner
 
Das Wichtigste zum Thema "Bremse"

Warnhinweis: Obwohl ich versucht habe, mich auf das Wesentliche zu beschränken, ist dieser Text sehr lang. Wer ihn insgesamt lesen will, dem empfehle ich, das offline zu tun, da die Providerkosten sonst in ungeahnte Höhen steigen dürften.

Einleitung.
Wie allgemein bekannt sein dürfte, ist es nicht besonders schwer, ein Eisenbahnfahrzeug ins Rollen zu bringen – der Rollwiderstand Stahlrad / Stahlschiene ist nicht sehr hoch. Interessant ist aber die Frage: Wie bringe ich ein Eisenbahnfahrzeug oder einen Zug jederzeit möglichst sicher und effektiv zum Stehen? Mit dieser Frage – alles, was zum Grundwissen über die Bremsen gehört – befaßt sich dieser Beitrag. Da er sehr umfangreich ist, habe ich ihn in Zwischenüberschriften gegliedert, so daß man nicht alles lesen muß, sondern z.B. wer schon einiges über Grundlagen weiß und zu irgendwelchen Spezialfragen Antworten sucht, kann die für ihn interessanten Abschnitte etwas schneller finden.

"Züge, die schneller als 50 km/ fahren sollen, müssen mit einer durchgehenden und selbsttätigen Bremse ausgerüstet sein."

Sinngemäß steht diese Forderung in der Eisenbahnbau- und –betriebsordnung (EBO); diese hat für Eisenbahnen in Deutschland einen rechtsverbindlichen Charakter. Wie erreicht man dieses nun? Klären wir als erstes die Begriffe.

"Durchgehend" – damit ist nichts anderes gemeint, als daß das System, welches die Bremsen steuert, durch den gesamten Zug gehen muß, alle Fahrzeuge im Zug müssen an dieses System angeschlossen sein. Dieses System (nennen wir es "Leitung") darf also nicht hinter Lok oder erstem Wagen aufhören, sondern muß den gesamten Zug umfassen.

Mit "selbsttätig" ist gemeint, daß bei Zwischenfällen wie z.B. einer Zugtrennung (Abriß von Fahrzeugen) alle Fahrzeuge von selbst zum Stehen gebracht werden, und das möglichst schnell.

Grundlegende Funktion der Druckluftbremse.
Erreicht werden diese Forderungen durch die heutzutage bei Eisenbahnfahrzeugen aller Art verwendeten Druckluftbremsen. Zur Funktion der Druckluftbremse: durch jedes Fahrzeug verläuft eine Druckleitung, die sog. Hauptluftleitung (kurz HLL). Ferner besitzt heutzutage (früher war das anders, da gab es im Güterverkehr auch reine Leitungswagen, die zwar eine HLL, aber keinerlei Druckluftbremseinrichtungen hatten, sondern bestenfalls eine Handbremse) jedes Fahrzeug einen mit HLL und Steuerventil(en) verbundenen Vorratsluftbehälter und mindestens ein an die HLL angeschlossenes Steuerventil, welches auf Druckveränderungen in der HLL reagiert,. An diesem Steuerventil befindet sich der Bremszylinder und an diesem das Bremsgestänge, über welches die Bremskräfte auf die Räder übertragen wird. Bei gelösten Bremsen werden die Bremsklötze über eine Feder von den Rädern bzw. den Bremsscheiben ferngehalten. – In der Lok befindet sich ein Kompressor. Dieser füllt den Hauptluftbehälter in der Lok auf 10 bar auf. Über ein Druckminderungsventil wird nun in der HLL ein Druck aufgebaut (Drucksteuerung in der HLL über das Führerbremsventil, kurz FBV, befindet sich logischerweise im Führerstand und wird vom Tf bedient): der Regeldruck hier liegt bei 5 bar. Sind diese 5 bar erreicht, sind alle Bremsen im Zug gelöst. Läßt man nun Druck aus der HLL entweichen (i.d.R. macht das der Tf kontrolliert über das FBV), reagieren die Steuerventile. Je nachdem, wieviel Druck entweicht, leiten sie Luft aus den Vorratsluftbehältern in die Bremszylinder, damit wird gegen den Federdruck das Bremsgestänge betätigt, die Bremselemente legen an, und das Fahrzeug bremst. Je mehr Druck man aus der HLL abläßt, desto mehr Druck wird in den Bremszylindern aufgebaut und desto stärker werden die Bremsklötze gegen Räder bzw. Bremsscheiben gedrückt, d.h. desto stärker ist die Bremswirkung.

Aus dieser Art der Steuerung ergibt sich noch ein weiterer Begriff: nämlich der der indirekt wirkenden Durckluftbremse, d.h. die Druckluftbremsen werden nicht direkt gesteuert, sondern indirekt – und zwar über das FBV. Würde man sie direkt steuern wollen, müßte man jedes einzelne Steuerventil von Hand selber steuern können – wenn man z.B. zum Festhalten einer Lok deren Zusatzbremse bedient, wird über ein separates Bremsventil direkt Luft in den Bremszylinder der Lok geleitet, löst man dieses Zusatzbremsventil wieder aus, entweicht der Druck wieder; das Steuerventil und die HLL werden dabei völlig umgangen – dies ist eine direkt wirkende Bremse; die Druckluftbremse mit ihren Steuerventilen hingegen nicht. Hieraus ergibt sich der Grundsatz: Eisenbahnfahrzeuge besitzen eine durchgehende, selbsttätig wirkende, indirekte Druckluftbremse.

Soviel zum Grundprinzip der Druckluftbremse. Damit erklärt sich auch die geforderte Selbsttätigkeit: wird z.B. unbeabsichtigt der Zug getrennt (und damit auch die HLL-Druckluftschläuche zwischen den Fahrzeugen), entweicht sofort sämtlicher Druck aus der HLL – die Folge: alle Zugteile kommen sofort selbsttätig zum Stehen. - - - Beim Auslösen der Bremsen wird der HLL-Druck wieder erhöht und darüber auch der Vorratsluftbehälter der Fahrzeuge wieder gefüllt, das Steuerventil leitet die Druckluft aus den Bremszylinder ab ins Freie (entlüftet den Bremszylinder), und die Federn ziehen die Reibelemente wieder von Rädern oder Bremsscheiben zurück.

Steuerventile lassen sich ein- und ausschalten – an jedem Fahrzeug befindet sich ein Bremsabsperrhahn, mit dem man z.B. bei Störungen das Steuerventil von der HLL trennen kann, und ein Lösezug, um unerwünscht angelegte Bremsen (z.B. bei einer Störung des Steuerventils) von Hand auslösen zu können. – Es versteht sich, daß man an diesen Bremsabsperrhähnen und Lösezügen nicht unbefugt herumspielt, sondern sie nur in festgelegten Fällen betätigt – alles andere wäre ein unbefugter Eingriff in den Eisenbahnverkehr und damit eine Betriebsgefährdung.

Zwangs-, Schnell- und Notbremsungen – was passiert, wenn der Zug sehr abrupt stoppt?
Wenn der Tf aus irgendeinem Grund eine Zwangsbremsung erhält, wird sofort von der Technik (die natürlich an jedem Einsatztag mindestens einmal auf Funktionsfähigkeit zu prüfen ist) sämtlicher Druck aus der HLL abgelassen. Bei einer Schnellbremsung (anzuwenden im Gefahrenfalle) zieht der Tf das FBV bis zum Anschlag durch, auch hier entweicht sofort die gesamte Luft. Analog hierzu die Funktion einer Notbremse: über die bekannten roten Griffe in den Wagen wird über unterschiedliche Systeme (alte Wagen: Seilzüge, führen zum sog. "Ackermann"- oder Flaschenhalsventil; neuere und modernisierte Wagen: Druckluft – Steuerleitungen) die HLL weit geöffnet, jeder Druck entweicht ins Freie, die Bremsen packen zu. Wie eine Notbremse zurückgestellt wird (muß sie ja, die HLL muß ja wieder geschlossen werden, damit der Zug weiterfahren kann), erkläre ich hier nicht – da dieser Beitrag per Internet für jeden offen ist, besteht die Gefahr, mißbräuchliche Spielereien mit den Notbremsen zu fördern, wenn einmal allgemein bekannt wäre, wie die Notbremsen zurückzustellen sind. Nur soviel: ein Wagen, an dem die Notbremse gezogen wurde, ist am zischenden Ausströmgeräusch oder einem blinkenden Leuchtmelder im Wagen zweifelsfrei zu identifizieren.

Die Notbremsüberbrückung.
Vielleicht hat der eine oder andere schon einmal den Begriff "Notbremsüberbrückung (NBÜ)" gehört. Diese setzt zwingend eine elektropneumatische Bremse, kurz ep (siehe übernächster Absatz), voraus, Lok und Wagen müssen damit ausgestattet sein (erkennbar durch Piktogramme am Langträger), sonst wirkt sie nicht. Zusätzlich muß zum Wirken der NBÜ/ep die IS-Leitung (IS = Information und Steuerung) durchgängig gekuppelt sein, da die elektrischen Steuersignale über selbige übertragen werden. – Die Notbremsüberbrückung darf nur auf dafür vorgesehenen Streckenabschnitten eingeschaltet sein. Wird in diesen speziellen Abschnitten die Notbremse gezogen, läßt sich die Wirkung vom Führerstand aus aufheben, indem das Ventil des entsprechenden Wagens elektrisch den Befehl zum Schließen erhält – der Wagen mit der gezogenen Notbremse ist jedoch nach wie vor zu identifizieren. Wann und wo die NBÜ eingesetzt werden darf bzw. muß, erläutere ich im nächsten Beitrag "NBÜ / SRK".

Bremsbauarten – einlösig oder mehrlösig?
Nun zu den Unterscheidungen im Wirken der Bremsen. Zuerst unterscheidet man in einlösige und mehrlösige Bremsen. Das Steuerventil einer einlösigen Bremse ist wesentlich einfacher gebaut als das einer mehrlösigen. Dafür hat erstere den Nachteil, daß sie, wenn Druck aus der HLL abgelassen wird, zwar wunderbar anlegt, aber bei der geringsten Druckerhöhung sofort wieder vollständig auslöst – das birgt die Gefahr in sich, daß sie erschöpfbar ist! Man stelle sich folgendes vor: ein talwärts fahrender Zug bremst ab, dazu wird der Druck in der HLL auf 4,2 bar gesenkt, die Bremsen legen an. Dann wird der Druck wieder leicht erhöht, z.B. auf 4,5 bar – die Bremsen lösen sofort vollständig aus. Senken wir den Druck erneut auf 3,8 bar, lösen wieder usw. – irgendwann ist die HLL "leer", d.h. so gut wie kein Druck mehr darin, und die Bremsen sind trotzdem ausgelöst – da kann man nur hoffen, daß das Ende der Gefällestrecke erreicht ist. Aus diesem Grund gibt es heutzutage so gut wie keine Fahrzeuge mehr mit einlösigen Bremsen (bestenfalls noch ein paar historische Fahrzeuge, einige uralte Lokbaureihen und Bauzugwagen, die ja auch größtenteils aus alten Reisezugwagen entstanden sind); heutige Eisenbahnfahrzeuge haben alle mehrlösige Bremsen. Eine mehrlösige Bremse zeichnet sich dadurch aus, daß man sie genauso stufenweise, wie man sie anlegt, auch wieder lösen kann und sie dadurch nicht erschöpfbar ist.

Bauarten und Bremsstellungen sowie deren Kennzeichnung am Fahrzeug.
Welche Bremse ein Fahrzeug hat, ist am Langträger angeschrieben – allerdings in Abkürzungen. Daher jetzt ein paar Bauartbezeichnungen: einlösige Bremsen haben in aller Regel nur einen Buchstaben als Bauartbezeichnung, mehrlösige mehrere. Einlösige Bremsen sind z.B. Knorr (K) und Westinghouse (W), mehrlösige die heutzutage am meisten verwendete Knorr-Einheitsbremse (KE), die vor allem in der Schweiz verwendete Oerlikon (O – ist eine Ausnahme, hat nur einen Buchstaben, obwohl sie mehrlösig ist) sowie einige andere, wenig gebräuchliche (Kk = Kunze-Knorr, WE = Westinghouse, diesmal mehrlösig, HiK = Hildebrandt-Knorr usw.). – Nur nebenbei: die Knorr-Bremse erhielt ihren Namen nach ihrem Erfinder und seiner Firma, die auch heute noch pneumatische Ausrüstungen aller Art baut und weltweit verkauft.

Als nächstes stellt sich die Frage: wie schnell und mit welcher Wirkung sprechen die Bremsen an? Hierzu gibt es verschiedene Einstellmöglichkeiten an der Bremse, die Bremsstellungen – einzustellen mit dem Bremsstellungswechsel, einem Hebel außen am Fahrzeug, befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bremsabsperrhahns.

G = langsam (ursprünglich für Güterzüge)
P = schnell (ursprünglich für Personenzüge)
R = schnell und stark (Rapidbremse, sofort erkenntlich an einem R in einem Rhombus)
R-Rot (angeschriebenes Bremsgewicht; ist keine eigene Bremsstellung) = schnell und sehr stark, das Fahrzeug hat dann zusätzlich einen Schnellbremsbeschleuniger: nichts anderes als ein Ventil, was bei sehr schnellem und starkem Druckabfall in der HLL zusätzlich 20 l Luft ins Freie entläßt.

Konkurrenzlos kurze Durchschlagzeiten erreicht man mit ep: elektropneumatische Bremse; über die IS-Leitung und eine Steuerelektronik in den Wagen kommt das Signal zum Anlegen oder Lösen der Bremsen sofort in allen Wagen an. Mit dieser Bremse bremst es sich wunderbar, da sofort alle Fahrzeuge im Zug gleichmäßig ansprechen: über die Steuersignale passiert an den Bremsen jedes einzelnen Fahrzeuges im Zug zur gleichen Zeit dasselbe. ICE-Züge fahren generell nur mit ep, bei lokbespannten Zügen ist der Einsatz offiziell nur auf Strecken gestattet, auf denen mit NBÜ gefahren werden muß. Auf die Wirkung der Bremse selbst hat die Elektronik jedoch keinen Einfluß, man umgeht lediglich Zeitverluste. – Bei jeder Bremsprobe wird selbstverständlich zuerst die Funktion der normalen durchgehenden, selbsstätig wirkenden, indirekten Druckluftbremse überprüft, auf diese wird generell nicht verzichtet – die ep-Bremse ist eine nette Ergänzung, aber auch bei Ausfall der ep ist natürlich immer noch ein gefahrloser Bahnbetrieb mittels unserer inzwischen bekannten Druckluftbremsen gegeben.

Die unterschiedlichen Wirkungen der Bremsstellungen werden mit verschiedenen Bremsgewichten für jede Bremsstellung ausgedrückt – interessant für die Bremsberechnung. Mit steigender Bremswirkung steigt auch das Bremsgewicht. Auch die Bremsgewichte sind am Langträger angeschrieben; ermittelt werden sie entweder rechnerisch und/oder durch Versuche. Eine Bezeichnung der Bremse in Übersicht ist ebenfalls am Langträger angeschrieben, sie könnte z.B. heißen: KE-GPR, das bedeutet dann: das Fahrzeug hat eine Knorr-Einheitsbremse, welche in die Bremsstellungen G, P und R gestellt werden kann.

Außen vor gelassen habe ich hier ganz bewußt die Handbremsen – diese dienen nur zum Festlegen und Sichern von stehenden Fahrzeugen, keinesfalls zum normalen Bremsen im Fahrbetrieb.

Überbremsen unerwünscht – der Gleitschutz.
Natürlich ist es alles andere als wünschenswert, daß etwa ein Fahrzeug zu stark bremst und die Räder stehenbleiben, d.h. das Fahrzeug auf stehenden Rädern dahinrutscht ("gleitet"): die maximale Bremswirkung wäre hier bereits überschritten, blockierte Räder verzögern einen Wagen wesentlich schlechter als solche, die gerade noch rollen; abgesehen davon würde man sich mit dahinrutschenden Rädern Flachstellen einfahren (Unwuchten im Rad), das sind dann die Räder, die während der Fahrt das bekannte rhythmische Klappern und Klopfen erzeugen – für die Lebensdauer der Drehgestelle und den Oberbau wenig zuträglich; manchmal reicht schon ein Blockieren eines Rades und ein kleines Stückweit Dahinrutschen, um eine so große Flachstelle zu erhalten, daß der Wagen sofort ausgesetzt werden muß (hier gibt es festgelegte Grenzmaße – ist eine Flachstelle länger als 60 mm und/oder beträgt die Materialauftragung am Ende der Flachstelle (entsteht durch das Dahingleiten) mehr als einen mm, ist das Fahrzeug sofort auszusetzen). Um ein Blockieren der Räder zu verhindern, gibt es den Gleitschutz: blockiert ein Rad, wird über diesen Luft aus dem Bremszylinder abgelassen, die Bremswirkung schwächt sich etwas ab, und das Rad kann wieder rollen. Gleitschutzeinrichtungen gibt es in rein pneumatischer und in elektronischer Form, bei elektronischem Gleitschutz ist eine funktionierende Stromversorgung durch die Fahrzeugbatterie natürlich eine Grundvoraussetzung (ist diese nicht gegeben, muß die Bremse wegen der Gefahr von Überbremsungen ausgeschaltet werden – eine neue Bremsberechnung versteht sich in diesem Fall von selber).

Soviel zu den Grundlagen – jetzt kommen erweiterte Kenntnisse.

Automatische Lastabbremsung.
Bei Güterwagen und Nahverkehrsfahrzeugen weit verbreitet ist eine automatische Lastabbremsung. Diese dient dazu, das Fahrzeug immer gerade so stark abzubremsen, wie es gerade nach seinem aktuellen Gewicht (was ja erwiesenermaßen bei Güterwagen und stark belastetem Nahverkehr, wie z.B. S-Bahnen, ständig schwanken kann) erforderlich ist. Für die automatische Lastabbremsung ist eine komplexe und einigermaßen komplizierte pneumatische Ausrüstung der Fahrzeuge erforderlich. Dazu befindet sich in jedem Drehgestell ein Wiegeventil, was ständig das auf diesem Drehgestell lastende Gewicht in Form eines Luftdrucks ermittelt und pneumatisch an das sogenannte Regelbare Lastbremsventil (RLV) "weitermeldet". Bei diesen Fahrzeugen steuert das Steuerventil ausnahmsweise nicht direkt den Bremszylinderdruck, sondern das RLV und das wiederum Bremszylinder und Vorratsluftbehälter - über das RLV wird dann der Bremszylinderdruck genau so eingestellt, wie es erforderlich ist (also z.B. bei einer krachend voll besetzten S-Bahn ein Stück höher als bei einer gähnend leeren S-Bahn). Erkenntlich sind derartige Fahrzeuge an einem nachgestellten A an der Bremsanschrift – die Anschrift könnte also z.B. lauten KE-GP-A.

Nicht zu stark und nicht zu schwach bremsen: der Lastwechsel.
Güterwagen, die nicht mit automatischer Lastabbremsung gesegnet sind (diese ist ja, wie wir gesehen haben, kompliziert, sehr komplex aufgebaut und dementsprechend teuer), verfügen vielfach über einen Lastwechsel in Form eines Hebels außen am Fahrzeug, in der Nähe von Bremsabsperrhahn, Lösezug und Bremsstellungswechsel. Über diesen läßt sich zusätzlich zum Bremsstellungswechsel die Bremswirkung einstellen. Lastwechsel haben zwei oder drei Stufen: leer, teilbeladen (wo vorhanden), beladen. Vermerkt ist an diesem Lastwechsel das Gesamtgewicht des Wagens, ab welchem der Lastwechsel umzustellen ist. Hat man einen vollbeladenen Wagen und läßt den Lastwechsel auf "Leer" stehen, bremst der Wagen nur sehr schlecht – den Zug würde es dann sonstwohin schieben. Ist umgekehrt ein Fahrzeug leer und bremst in Stellung "Beladen", werden mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach die Räder stehenbleiben – ebenfalls nicht zweckdienlich, wie schon weiter oben beschrieben. Fahrzeuge mit Lastwechsel sind nicht extra durch Anschriften gekennzeichnet. Bei Reisezugwagen gibt es nur eine einzige Gattung mit Lastwechseln: den DDm916, ein klotzgebremster Autotransportwagen für den DB AutoZug. Hier sollte man beim Zugvorbereiten tunlichst darauf achten, wie der Wagen beladen und wie der Lastwechsel eingestellt ist. Alle anderen Reisezugfahrzeuge haben entweder eine automatische Lastabbremsung (vielfach bei Nahverkehrsfahrzeugen, wie S-Bahnen und "Silberlingen", zu finden), oder die Schwankungen in ihrem Gesamtgewicht sind zu unwesentlich – etwa bei einem Fernverkehrswagen, der schon von sich aus mindestens 39 t Gewicht mitbringt (meistens schwerer, am schwersten sind die Bvmz, die Mittelwagen der ICE 1 und 2 und Schlafwagen mit über 50 t Leergewicht). Hier können gar nicht so viele Reisende einsteigen, daß sich ein Umstellen eines Lastwechsels lohnen würde – diese Wagen werden nur über die Bremsstellungen "gesteuert".

Womit bremsen wir eigentlich? – Von Klotz- und Scheibenbremsen.
Weiterhin ist zu unterscheiden, womit ein Fahrzeug abgebremst wird: mit Klotzbremsen oder Scheibenbremsen? Die Klotzbremsen sind das älteste System überhaupt; Klötzer aus Gußeisen werden gegen die Laufflächen der Räder gepreßt und der Wagen damit gebremst – ein verschleißintensives System, das jede Menge Krach macht (das charakteristische lautstarke Kreischen und Quietschen beim Anhalten) und noch dazu den Nachteil hat, daß es sehr ungleichmäßig wirkt: bei hohen Geschwindigkeiten müssen die Klötzer sehr stark gegen die Räder gepreßt werden, bei niedrigen Geschwindigkeiten dagegen sehr viel schwächer. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten sinkt die Effektivität der Klotzbremsen rapide ab, deshalb dürfen Fahrzeuge, die nur klotzgebremst laufen, maximal 140 km/h fahren. Fahrzeuge mit Gußeisenklötzern sind nicht extra gekennzeichnet. – Etwas moderner sind Bremsklötze aus Kompositwerkstoff: die Funktion ist dieselbe wie bei den Gußeisenvertretern, nur bestehen sie aus einem Kompositmaterial. Der Vorteil ist hier eine schon wesentlich bessere und gleichmäßigere Verteilung der Bremskräfte über den gesamten Geschwindigkeitsbereich. Fahrzeuge mit dieser Ausstattung sind mit einem eingekreisten K gekennzeichnet; auch ist die Anzahl solcher Wagen im Zug im Bremszettel (den Bremszettel bekommt der Lokführer; enthält alles, was er über seinen Zug wissen muß – wieviel wiegt der Zug, wieviele Achsen hat er, wie stark bremst er, wie lang ist er, wieviele Scheiben- und Kompositklotzbremsen sind im Zug, bremst der Zug etwa schwächer als im Fahrplan vorgesehen, sind Wagen dabei, die nicht das fahrplanmäßige Tempo fahren dürfen (bei beiden letzteren ist die Weisung der Betriebsleitung einzuholen), ist eine NBÜ/ep vorhanden und wirksam, muß der Zug mit Strom versorgt werden) einzutragen. Am effektivsten (technisch freilich auch am aufwendigsten und natürlich am teuersten) sind aber Scheibenbremsen: auf der Achse befinden sich eine oder mehrere Bremsscheiben, die über spezielle Bremselemente abgebremst werden. Dieses System hat den geringsten Verschleiß von allen und wirkt über den gesamten Geschwindigkeitsbereich gleichmäßig. Neubaufahrzeuge (Reiseverkehr und Triebfahrzeuge) erhalten heutzutage nur noch Scheibenbremsen. Fahrzeuge mit Scheibenbremsen sind durch ein eingekreistes D gekennzeichnet, auch sie sind im Bremszettel zu erfassen. Sie könnten zwar je nach Bauart theoretisch jede Geschwindigkeit fahren, sind jedoch auf 160 km/h beschränkt. Grund: in Deutschland beträgt auf Hauptbahnen der Abstand zwischen Vor- und Hauptsignal id.R. 1000 m, innerhalb dieser Strecke muß jeder Zug zum Halten gebracht werden können.

Noch stärker: die Magnetschienenbremsen.
Um das Anhalten aus hohen Geschwindigkeiten innerhalb von 1000 m technisch realisieren zu können, sind stärkere Bremsen erforderlich, allerdings reicht da eine Radsatzbremsung nicht mehr aus: hier braucht es Magnetschienenbremsen, kurz Mg. Zur Versorgung derselben mit Druckluft braucht es dann auch eine zweite Druckluftleitung: die Hauptluftbehälterleitung, kurz HBL. Auch sie muß durchgehend sein und wird von der Lok (und dort direkt vom Hauptluftbehälter) gespeist, der Regeldruck in dieser Leitung liegt bei 10 bar. Zur Funktion der Mg: Normalerweise werden diese von sehr starken Federn über den Gleisen gehalten. Ist nun eine besonders hohe Bremsleistung erforderlich (bei einer Zwangs-, Not- oder Schnellbremsung, um genau zu sein; die Mg werden nur bei einem HLL-Druck von 0 bar überhaupt aktiv) und fährt der Zug schneller als 50 km/h (darunter sind die Mg automatisch abgeschaltet, da sonst die Bremswirkung zu brachial wäre und eine gute Chance bestehen würde, daß die Räder stehenbleiben), werden sie mit dem Druck aus der HBL gegen die Federn nach unten bis kurz über die Schienenoberkante gedrückt (den aus der HLL zu nehmen geht nicht, die ist bei so einer Bremsung bekanntlich komplett entlüftet), gleichzeitig werden die Mg, die genaugenommen nichts anderes sind als Elektromagnete, unter Strom gesetzt (der jeweilige Batteriestrom der Wagen; sollte man als Zugführer im Auge behalten, fällt die Elektrik bzw. die Batterieladung und -spannung aus bzw. zu stark ab, ist die Mg-Bremse auszuschalten und eine neue Bremsberechnung anzustellen) und werden durch die Magnetkraft auf die Schienen herabgezogen, der Zug verzögert nun durch den Wirbelstromeffekt Mg-Schiene und durch die Reibung selbst (gibt immer sehr schöne Qualmwolken). Wagen mit dieser Bremse sind gekennzeichnet durch ein nachgestelltes Mg – die Bremsbezeichnung könnte also z.B. so aussehen: KE-PR-Mg. Da es sich hier um eine sehr starke Bremse handelt, wäre es ja nicht gerade sinnvoll, wenn sie zusammen mit einer schwächeren Druckluftbremse eingesetzt würde – sie kommt daher immer nur in Verbindung mit der höchsten Druckluftbremsstellung eines Wagens vor (meistens R, die Bremsstellung lautet dann R+Mg). Wirksame Mg werden immer durch eine eigene Bremsstellung (einstellbar am Bremsstellungswechsel) gekennzeichnet. Selbstverständlich können sie auch abgeschaltet werden (durch Umstellen des Bremsstellungswechsels in eine niedrigere Bremsstellung); ihr Einsatz ist wegen der extrem starken Bremswirkung nur zulässig, wenn es im Fahrplan des Zuges so angegeben ist. Eine starke Bremse kann nämlich auch Schaden anrichten: habe ich z.B. einen Zug, der, sagen wir, nur in Stellung P oder gar G fährt, und als letzten Wagen einen mit R+Mg, wird es bei einer Zwangs-, Not- oder Schnellbremsung interessant: die Lok, die ihren Zug immer zu strecken hat und daher generell schwächer bremst als der Zug (so gibt es z.B. keine Loks mit Mg, siehe nächster Absatz), zieht von vorne, die Wagen in der Mitte bremsen normal, und am hintersten Wagen "fallen" die Mg, und er verzögert wesentlich stärker und zieht damit von hinten – mit etwas Pech hat man hier eine Zugtrennung, die zu unterschiedlichen Bremskräfte würden den Zug einfach auseinanderreißen. Also: nur das fahren, was im Fahrplan steht, nicht in jedem Fall das, was das Fahrzeug hergibt!

Dynamische Bremsen an Triebfahrzeugen.
Bei Lokomotiven sieht alles außer der normalen Druckluftbremse etwas anders aus als an den Reisezugwagen. Haben wir z.B. eine Ellok, so könnte man doch die Drehbewegung der Räder zum Bremsen nutzen – die Motoren drehen sich ja bekanntlich mit (eine Kupplung wie beim Auto gibt es nicht, die Anker der Elektromotoren drehen sich während der Fahrt also ständig), und was kann man mit einem sich leer drehenden Motor machen? Richtig – man kann ihn als Generator einsetzen, dabei entstehen elektromagnetische Kräfte, und der Motor wird zur Bremse. Das Prinzip kennt jeder vom Fahrrad: der stromerzeugende Dynamo (nichts anderes als ein Generator im Kleinformat) verbraucht beim Stromerzeugen Bewegungsenergie, deshalb fährt es sich auf dem Fahrrad mit Licht schwerer als ohne. Nicht anders ist die Sache beim Elektromotor der Ellok: polt man ihn zum Generator um (der dabei entstehende Strom, den unser Motor nun produziert, wird bei älteren Baureihen einfach über Bremswiderstände verheizt (es muß ja eine elektrische Belastung am Motor anliegen, sonst erhält man keinen geschlossenen Stromkreis und folglich auch keinen Generator-Bremseffekt), bei neueren Fahrzeugen wird er ins Fahrleitungsnetz zurückgespeist), erhält man eine vorzügliche Bremse, die sogenannte E-Bremse. Folglich kann man die Bremsstellungen der Lok um einiges erweitern: denkbar sind z.B. P+E, R+E oder als höchstes R+E160 (das ist die höchste bei Loks vorkommende Bremsstellung). Bei Dieselfahrzeugen kann man ebenfalls den Motor zum Bremsen einsetzen – bekannt vom Auto. Schaltet man dort z.B. bei steiler Talfahrt in einen niedrigen Gang und läßt den Wagen nur rollen (natürlich ohne die Kupplung zu treten), erhält man eine wunderbare Bremswirkung durch den Motor. Dieseltriebfahrzeuge mit so einer sogenannten "hydrodynamischen Bremse" sind durch ein H hinter den zusätzlichen Bremsstellungen zu erkennen, z.B. R+H. – Eine Mg-Bremse wird man bei Loks vergeblich suchen (Triebwagen und Triebzüge können natürlich welche haben). Grund: eine Lok soll immer auch beim Bremsen ihren Zug straffen, d.h. ihm vorausfahren, nicht ihn abbremsen. Hätte eine Lok Mg-Bremsen, würde sie stärker bremsen als der Zug, d.h. die Wagen würden auf die Lok auflaufen, von ihren Federpuffern wieder zurückprallen, wieder auflaufen – unkontrollierbare Zerrungen und Stauchungen im Zug wären die Folge, bis hin zu Zugtrennungen oder Entgleisungen. Darum muß die Lok immer schwächer bremsen als der Zug.

Wenn der Zug aber nun zu lang ist...
Bei sehr langen Güterzügen kann es eine Weile dauern, bis der Druckabfall in der HLL bis zu den letzten Wagen vorgedrungen ist. Würden die ersten Wagen hier schon fleißig abbremsen, würden die letzten Wagen ungebremst auflaufen – ein Grund, bei bestimmten Zuglängen die ersten Wagen in eine niedrigere Bremsstellung umzustellen oder deren Bremsen gleich ganz auszuschalten.

Nur so nebenbei: Kombination klotzgebremst R und P in einem Zug
Nur zur Information: bestimmte Formen von klotzgebremsten Wagen (Klotzbremse in Stellung R) dürfen nicht mit anderen, die nur in Stellung P laufen, zusammen in einen Zug gestellt werden - wenn doch, dürfen alle Fahrzeuge nur in P laufen, sonst würden an den stark bremsenden Fahrzeugen (die in R) die Räder beim Bremsen zu heiß (betrifft, wie gesagt, nur klotzgebremste Wagen in R; bei scheibengebremsten ist es egal). Lassen sich die Wagen nicht in eine niedrigere Bremsstellung zurückstellen, z.B. weil sie nur R haben, ist deren Bremse ganz auszuschalten.

Dann noch einiges zu den Bremsleitungen, der HLL und der HBL, und der oft gestellten Frage: wo befindet sich was?

Wozu die HBL noch nötig ist und wie sie getestet wird...
Von der HBL werden neben den Mg-Bremsen auch Luftbehälter für Nebenbetriebe der Wagen gespeist, denn die heutigen Reisezugwagen brauchen auch unabhängig von den Bremsen Druckluft, erwähnt seien hier nur die Türschließeinrichtungen, pneumatische Einstiegs-, Abteil- und Übergangstüren, Vakuum-WC usw. . Beim Reisezug sind immer beide Leitungen zu kuppeln: HLL und HBL. Die HLL dient zum normalen Bremsen, ihre Durchgängigkeit wird bei der normalen Bremsprobe festgestellt. Die Funktionen der HBL habe ich gerade erwähnt; ihre Durchgängigkeit wird mit der sog. Durchgangsprüfung (vorgeschrieben nur bei Zügen, die lt. Fahrplan in R+Mg fahren sollen) festgestellt: man nehme am letzten Wagen (so das nicht gerade ein Fernverkehrssteuerwagen ist, an dem gibt es speziell für die Durchgangsprüfung eine andere Einrichtung) den Schlauch der HBL (welcher das ist? Kommt gleich) aus der Halterung, halte ihn gut fest - und öffne den Luftabsperrhahn (langsam!!!). Dann lasse man diesen für ca. 30 sec. offen und achte auf das Ausströmgeräusch (ein lautstarkes Zischen), das in dieser Zeit nicht wesentlich nachlassen darf (tut es das, ist die Leitung höchstwahrscheinlich nicht durchgängig gekuppelt, dann kommt nämlich kein "Nachschub" von der Lok; die Mg-Bremse würde in diesem Fall natürlich nicht funktionieren). Anschließend einfach Hahn wieder schließen und Schlauch einhängen. (Für alle, die sich im Betriebsdienst auskennen oder es selbst schon beobachtet haben: den Schlauch rausnehmen steht zwar in der Vorschrift, wird aber in der Realität fast nie gemacht. Ich selbst und die meisten anderen stellen einfach den Fuß auf die Halterung, damit der Schlauch sich nicht losreißen und unkontrolliert umherschlagen kann; bei 10 bar kann das schlimme Folgen haben; und ziehe dafür ein paar Sekunden länger). Der Lokführer beobachtet diesen Vorgang auf dem Manometer; es muß ein Druckabfall feststellbar sein, der dann natürlich vom Vorratsluftbehälter bzw. dem Kompressor der Lok wieder ausgeglichen wird. – Ein sicherer Zugbetrieb braucht jedoch nicht zwingend eine HBL, Hauptsache, die HLL ist da und funktioniert! Bei fehlender HBL (z.B. gibt es an Dampfloks oder historischen Fahrzeugen keine HBL) kann es lediglich passieren, daß man langsamer fahren muß (wegen fehlender Mg-Bremsen), vor jeder Abfahrt ein Marsch am Zug entlang ansteht, um die Türen per Hand zu schließen, und ein paar Sachen im Zug nicht richtig funktionieren (kann natürlich auch Türen betreffen); manche Reisezugwagenbauarten sollten dann tunlichst nicht mehr mit Reisenden besetzt werden – rein vom Fahren und Bremsen her ist der Wagen aber auch bei fehlender oder beschädigter HBL uneingeschränkt lauffähig.

Wo ist was an der Lok?
Soweit die Funktion der beiden Leitungen. Nun die Lage: steht man vor der Lokfront, geht die Reihenfolge so: HBL - HLL - Zughaken - HLL - HBL (also die HBL liegt immer außen, bei ausländischen Fahrzeugen manchmal mit weißen Hähnen gekennzeichnet, in Deutschland und der Schweiz immer zu erkennen am aufgegossenen Kreuz auf dem Kupplungskopf; die HLL liegt immer innen). Sinn dieser vier Leitungen: ist z.B. eine dieser Bremskupplungen auf einer Seite unbrauchbar, kann man immer noch auf die andere Seite zurückgreifen. Manche uralten Wagen haben (oder besser hatten) nur Bremsleitungen auf einer Seite. Waren die der Lok auf derselben Seite, war ja alles bestens, waren die der Lok aber auf der verkehrten Seite, gingen die Probleme los - kann man umgehen, indem man die Fahrzeuge sozusagen "doppelt" ausrüstet (natürlich haben die Fahrzeuge deswegen jetzt nicht zwei HLL und HBL, sondern es handelt sich lediglich um Gabelungen der Leitungen).

Die heutigen Reisezugwagen haben alle diese "doppelte" Ausrüstung, also genau wie die Loks vier Bremsschläuche. Das hat zudem den Vorteil, daß man auf der einen Seite die Zugsammelschiene (dient zur Stromversorgung der Wagen von der Lok aus, ein sehr dickes Kabel, meist etwa in derselben Höhe wie die Bremsschläuche – Vorsicht! Nur kuppeln oder entkuppeln, wenn die Stromzufuhr mit Sicherheit abgestellt ist, in diesem Kabel kreiseln 1.000 V herum!) kuppeln kann, auf der anderen die Bremsleitungen, und trotzdem nicht in allzugroße Platznot gerät. Güterwagen (vor allem ältere Modelle) haben teilweise nur eine Leitung an jedem Wagenende, die HLL, allerdings werden die immer seltener, die meisten Güterwagen haben heutzutage zwei Kupplungen für die HLL an jedem Wagenende . - Noch einigermaßen selten anzutreffen sind Güterwagen mit HBL (nötig bei hohen Geschwindigkeiten und den damit verbundenen Erfordernissen an die Bremsen bzw. die Bremshundertstel). – Ansonsten kann sich in der "unteren" Ebene noch ein spezielles Wendezugsteuerkabel befinden, allerdings nur noch bei einigen Nahverkehrswagen – die Wendezüge im Fernverkehr werden alle über die ZWS, die Zeitmultiplexe Wendezugsteuerung, gefahren. Die Signale für selbige werden durch die IS-Leitung übertragen – das ist das Kabel, was in den Übergängen und zwischen Lok und Wagen hängt und für alle elektrischen Signale im Zug, die von Wagen zu Wagen weitergegeben werden müssen (Türschließeinrichtung, Fernsteuerung Beleuchtung, Beschallung, ZWS, NBÜ/ep, ...), zuständig und erforderlich ist. Meistens sind bei Reisezügen an jedem Übergang zwei UIC-Kabelverbindungen möglich, wenn es geht, sollte man natürlich beide kuppeln, da fällt z.B. ein Wackelkontakt nicht so schnell ins Gewicht, als wenn nur ein UIC-Kabel gekuppelt ist.

Schluß.
Damit sind wir am Ende unserer Einführung zum Thema "Bremse" angekommen. Ich denke, alles Wichtige und einigermaßen Interessante angesprochen zu haben. Allerdings geht die Entwicklung auch bei Bremsen weiter – manche neuen Dieseltriebwagen und Elektrotriebzüge z.B. haben derart kryptische Anschriften, daß man schon genau eingeweiht sein muß, um sie noch zu verstehen. An solchen Fahrzeugen findet man z.B. des öfteren den Buchstaben "C" in der Bremsbauartbezeichnung – es handelt sich dann um ein Fahrzeug mit computergesteuerten Bremsen, die oftmalen im Regelfall auch keine gefüllte HLL mehr besitzen. Solche "Exoten" habe ich ganz bewußt weggelassen – der Text sollte eine Einführung in das weite Thema der Bremsen sein, alles erschöpfend abhandeln wird man nie können. Nicht umsonst darf nicht jeder Eisenbahner Bremsen bedienen, prüfen (d.h. Bremsproben ausführen), Bremsberechnungen anstellen oder gar Bremszettel ausfertigen – die spezielle Ausbildung und Prüfung zum Bremsprobeberechtigten ("Bremsbeamten") hat auf jeden Fall ihren Sinn, genau wie die vorgeschriebenen regelmäßigen Fortbildungsunterrichte zu diesem Thema (wer keinen regelmäßigen Besuch dieser Unterrichte nachweisen kann, verliert seine Berechtigung zum "Bremsbeamten", wie es bei der Bundesbahn hieß). Dieser Text hier kann die Ausbildung auch auf keinen Fall ersetzen – ich bin weder auf die Bremsberechnung noch auf die Bremsproben eingegangen, das würde schon zu weit in die Materie hineinführen. Bei Interesse kann ich auch gerne darüber schreiben, aber das ist dann ein anderer Beitrag – im nächsten Beitrag widmen wir uns erst einmal dem Selbstrettungskonzept, kurz SRK.

Zurück Update: 21.03.2004